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„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“

Hardo Bicker vom Urklangmagazin im Gespräch mit Daria Czarlinska, der Gründerin des Sinnergie e.V.

 

Sinnergie e.V. 

 

„Für uns macht es Sinn die Sinne zu schärfen. 

Das heisst bewusst zu kommunizieren, 

sich gegenseitig in seiner Individualität zu akzeptieren, 

wohlwollend miteinander umzugehen, 

in Bewegung zu sein, 

sich gegenseitig in Entwicklungs- und Wachstumsprozessen zu unterstützen, 

ganz gleich ob Menschen mit oder ohne Behinderung, alt oder jung, Frau oder Mann, europäisch oder afrikanisch. 

Jede(r) ist anders und braucht damit auch andere Methoden, Menschen und sinnliche Erlebnisse für die eigene Entfaltung. 

Wir geben uns Mühe ein ganzheitliches Angebot zu ermöglichen, um auf verschiedene Bedürfnisse eingehen zu können. 

Alle Angebote haben folgendes gemeinsam: Wir wollen menschliche Heilungsprozesse unterstützen, bewusstes Sein fördern sowie Gemeinschaft ermöglichen … .“

 

Ich treffe mich mit Daria in den Räumen des Vereins, um mit ihr über diesen Ort und Ihre Projekte zu sprechen. Kennengelernt haben wir uns vergangenen Winter beim Faircamp in Berlin Pankow.

 

Was hat Dich dazu bewogen, das Sinnergie-Begegnungszentrum zu gründen?

 

Als Politikwissenschaftlerin war ich lange gesellschaftspolitisch engagiert, u.a. mehrere Jahre für die Landtagsfraktion der Grünen in Potsdam. Die Geburt meiner Tochter vor 5 Jahren war dann ein sehr einschneidendes Erlebnis. Plötzlich stand alles Kopf und die grundlegenden Fragen des Lebens beschäftigten mich wieder. Ich kam zu dem Schluss, dass ich auf dem klassischen Parteiweg nicht das erreichen kann, was mir am Herzen liegt.

 

Zu der Zeit hatte ich schon mehrere Jahre intensive Erfahrung mit Yoga gemacht und eine systemische Ausbildung absolviert. Ich fragte mich, wie ich gesellschaftliches Wirken mit Spiritualität verbinden kann – Bereiche, die in unserer Gesellschaft zumeist noch nebeneinander stehen, sich gar ausschließen. Ich wollte verschiedene Menschen zusammenbringen und Räume kreieren, in denen Gruppenintelligenz erfahrbar wird. Ein Herzstück des Vereins sind die monatlich stattfindenden Sinnergie Treffen, bei denen engagierte Menschen ihre Herzensprojekte und -methoden vorstellen können und so Synergien schaffen zwischen Menschen und Methoden.

 

Der Begriff Sinnergie steht für mich dafür, die Sinne zu schärfen und immer wieder die Frage zu stellen: Was macht wirklich Sinn – persönlich wie gesellschaftlich?

 

Du bist als Fünfjährige mit Deinen Eltern aus Polen nach Berlin gekommen. Hat dieser Umstand eine Rolle gespielt bei Deiner Entscheidung, diesen Verein ins Leben zu rufen?

 

Mit Sicherheit, ich habe schon früh lernen müssen, Brücken zu bauen, um mit den beiden unterschiedlichen Kulturen und Mentalitäten zurecht zu kommen  – mit der traditionelleren polnischen zu Hause und mit der aufgeklärten deutschen in der Schule. Es war nicht immer einfach, die verschiedenen Anteile in mir gleichberechtigt zu akzeptieren, sie stritten oft miteinander, schlossen sich aus. Dieser Prozess hat meinen Horizont erweitert und meinen Wunsch geprägt, Verbindungen und Synergien zwischen scheinbar Unvereinbarem zu schaffen.

 

Was ist für Dich der tiefere Sinn, der hinter den verschiedenen Anliegen Eures Vereins und der Angebote des Begegnungszentrums liegt und der diese miteinander verbindet?

 

Wir wollen mit unseren Angeboten immer wieder die Möglichkeit schaffen, mit anderen Menschen in Verbindung zu gehen, um zu erfahren und sich darüber bewusst zu werden, dass jeder ein Teil des größeren Ganzen ist. Wenn man sich in eine Gruppe einbringt, kann man über sich hinauswachsen. Dadurch kann jeder dazu beitragen, dass das Ganze größer wird als die Summe seiner Teile.

 

Das Persönliche wirkt auf die Gesellschaft und diese wirkt auf das Persönliche. Es ist ein ständiger Austausch. Dafür das Bewusstsein zu schärfen und diesen ständigen Austausch bewusst zu gestalten, und die Kraft, die darin verborgen ist, erfahrbar zu machen, liegt mir am Herzen.

 

Wenn Du zurückdenkst, was waren für Dich besonders berührende Momente, die durch die Arbeit im „Sinnergie“ entstanden sind?

 

Was mich immer wieder berührt, ist, wenn jemand das Gefühl hat, hierher zu gehören oder sich hier wie zu Hause zu fühlen. Beim vergangenen Sinnergie Treffen z.B. spürte eine Kunsttherapeutin sofort: „Hier bin ich richtig, ich habe so lange nach einem richtigen Ort für mich gesucht.“

 

Was sind Deine Pläne für die nächste Zeit?

 

Ich plane zusammen mit Katharina Wyss das nächste Faircamp, das im Frühjahr 2016 unter dem Motto „Fülle“ in Berlin Pankow stattfinden wird. Wir wollen ein Zeichen setzen, die omnipräsente Mangel- und Opfermentalität ausgleichen. Da freue ich mich schon sehr drauf.

 

Liebe Daria, ich danke Dir für das schöne Gespräch und freue mich auf weitere Synergien.

 

www.sinnergie-ev.com

www.dariayoga.com