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Das Lebendige in der Kommunikation

 

Gewaltfreie Kommunikation zur Haltung werden lassen

 

Teilen , mitteilen,  teilnehmen lassen und  gemeinsam machen, vereinigen finden wir als Übersetzung für das lateinische Wort communicare. Damit ist schon der verbindende, zu einer Ganzheit führende Charakter von Kommunikation angedeutet.

 

In einem lebendigen Organismus kommuniziert jede einzelne Zelle mit jeder anderen und ermöglicht dadurch Wachstum und Entwicklung, d. h. Leben. Am Beispiel der Bienen wird das deutlich. Jede einzelne Biene im Bienenschwarm kennt ihre spezielle Aufgabe. Sie weiß, wann und wie sie den anderen mitteilt, wo und in welcher Entfernung der Blütennektar zu holen ist. Die Schwarmintelligenz der Bienen ordnet das Leben in jedem Augenblick neu.

 

Global betrachtet sind die  Bienen wiederum nur ein Element im Lebenskreislauf der ganzen Erde, unerlässlich für die Bestäubung der Obstblüten und somit zum Lebenserhalt des Menschen. So tragen sie zur biologischen Ganzheit bei.

 

Wer Kommunikation so versteht, versteht auch etwas vom Leben. Die Bedeutung der Kommunikation im lebensfördernden Sinne lässt sich in jeder Organisation, jeder Gemeinschaft, jedem Team oder jeder Partnerschaft wahrnehmen, besonders dann, wenn Freude und Verbundensein erlebt wird. Fehlt die zum Ganzen verbindende Kraft, entsteht Trennung, Krankheit und Zerfall.

 

Oberflächlich betrachtet ist Kommunikation Austausch von Informationen. Daher ist das K-Wort zu einem inflationären Begriff geworden.

 

Ein tieferes Verstehen des Lebendigen zeigt, dass Kommunikation ein Prozess ist, der durch Hinhören und Gehörtwerden, durch Verstehen und Verstandenwerden einen inneren Raum schafft. Es entsteht ein Bewusstseinsraum, ein Begegnungsraum. Verbundenheit, Stimmigkeit und innerer Frieden sind hier zu Hause.

 

Um dieses erweiterte Verständnis des Begriffes Kommunikation deutlich zu machen, wird er oft mit den Attributen: achtsam, wertschätzend, verbindend, transparent oder gewaltfrei ergänzt. Das ist wohl auch der Kern dessen, was Marshall B. Rosenberg* mit Gewaltfreier Kommunikation (GFK) entwickelt hat.

 

Der englische Begriff Nonviolent Communication macht Rosenbergs methodischen Ansatz deutlicher: er will Licht in die unbewussten seelischen Vorgänge bringen, die bei der Kommunikation zwischen Menschen stattfinden. Konflikte verwandele ich zu Verbundenheit mit mir selbst und anderen und trage zu Frieden, Wachstum und Entwicklung bei.

Dabei birgt die Methode der GFK die Gefahr in sich, zu gewollt, mechanisch und künstlich in der Benutzung der Sprache zu sein und abgelehnt zu werden. Daher ist es gut, wenn sie als innere Haltung verstanden und erfahren werden kann und als lebens-wertvoll erlebt wird.

 

Was ist nötig, um zu dieser Haltung zu kommen? Ich könnte zunächst meine Fragehaltung verstärken und fragen: Wie schaffe ich Geistesgegenwart für das, was gerade (z. B. in einer Gesprächssituation) wirkt?

 

Was ist gerade jetzt bei mir innerlich geschehen, als ich dieses Wort oder jene Geste bemerkt habe?  Was habe ich genau gesehen, gehört? Wie reagierte mein Verstand, was für Gefühle sind gerade lebendig, was sind meine Körperreaktionen?

Es geht um die Haltung, das ergründen zu wollen, was gerade wirksam ist.
Es geht darum, herauszufinden, welche Überzeugungen und Glaubenssätze mich hindern, mit mir selbst und anderen in wirkliche Beziehung zu treten sowie blockierende, verletzende Reaktionen anzuerkennen und zu  verwandeln.

 

Ich habe immer die Wahl, das eine oder das andere zu tun. Ich habe immer die Wahl, mich für oder gegen echte Begegnung zu entscheiden.

 

Diese Begegnung findet in einem Begegnungsraum statt, der jenseits von konfrontativer Diskussion mit Gegeneinanderstellen von Meinungen oder Aneinander-vorbei-Reden entstehen kann.

 

Die GFK ist zunächst eine Methode, die durch beschriebene Schritte der Selbstwahrnehmung die „gewaltsamen Anteile“ in der eigenen Kommunikation bewusst macht. Sie ermöglicht, die mit schmerzlicher Kommunikation verbundenen Glaubensmuster und Urteile zu ergründen. Denn erst wenn die GFK von einer Methode zu einer inneren  Bewusstseinshaltung führt, kann Kommunikation wertschätzend, achtsam und transparent werden und zu echter Begegnung führen.

 

Haltung bedeutet hier: Präsenz für das, was gerade wirksam ist, wirksam in meinem Denken, in meinen Gefühlen und in meinen Körperreaktionen; den Raum zu halten für das, was Lebendiges entstehen will.

 

Ich bin verbunden mit dem Ganzen. Von den Bienen können wir das lernen.

 

*Marshall B. Rosenberg, der große Friedenslehrer, hat durch seine „ Gewaltfreie Kommunikation“ eine Bewegung ins Leben gerufen, die wie ein Samen für eine befriedete Zukunft der Menschen aufgehen kann. Sein Ohr und seinen Blick wendete er nach innen, um die „Sprache es Herzens“ zu hören und zu sprechen.

Er starb im Februar  2015. Es bleibt große Dankbarkeit für sein Lebenswerk.

 

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