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Die Welt als Geliebte (1)

Geseko von Lüpke im Gespräch mit der Ökologin Joanna Macy (Teil 1)

 

Prof. Dr. Joanna Macy ist nicht nur eine der Mitbegründerinnen der Tiefenökologie, sondern auch eine der wichtigsten buddhistischen Lehrerinnen der USA. Sie wurde 1929 in New York geboren und studierte Politikwissenschaft, Allgemeine Systemtheorie und Vergleichende Religionswissenschaften. Parallel engagierte sie sich stark in der Friedens- und Ökologiebewegung und suchte nach Möglichkeiten, die verbreitete Apathie und Verzweiflung angesichts atomarer Bedrohung und ökologischer Zerstörung therapeutisch zu bearbeiten. Seit Mitte der 80er Jahre arbeitet sie mit Menschen in aller Welt daran, politische Verantwortung, ökologische Aktion, spirituelles Wachstum, ganzheitliche Wissenschaft und psychologische Krisenbewältigung so miteinander zu verbinden, dass daraus neues Engagement für die Zukunft wachsen kann. Ihr jüngstes Buch „Hoffnung durch Handeln: Dem Chaos standhalten, ohne verrückt zu werden“ erschien im August 2014.

 

Wie würden Sie den Zustand der heutigen Welt beschreiben?

 

Wir erleben die letzten Jahre eines Wirtschaftswunder-Systems, das enorme Auswirkungen auf den gesamten Planeten hat. Es gibt keine Region und keine Kultur, die dagegen immun ist. Und dieses industrielle Wachstumssystem, basierend auf einer ständigen Ausbeutung der Rohstoffe und immer mehr Abfall, zerstört die lebenserhaltenden Systeme dieses Planeten für menschliche wie für nicht-menschliche Wesen. Wir befinden uns also in einem Prozess der völligen Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Unabhängig von dem, was wir an diesem Punkt dagegen tun, ist es sicher, dass künftige Generationen dazu verdammt sein werden, in einer schwer geschädigten Umwelt zu leben.

 

Wie reagieren wir auf diese Situation?

 

Mit Angst! Das ist heute so und war schon immer so. Die Menschen merken, dass sich enorm viel verändert, und reagieren verstört. Diese Angst äußert sich meist auf zwei Arten. Sie führt zu Panik, zu irrationalem Verhalten, die Menschen werden aggressiver und wollen sich schützen. Die soziale Hysterie wächst und äußert sich in religiösem Fundamentalismus, in Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. Oder sie reagieren auf die Angst in einer anderen oberflächlichen Art und Weise, die ganz eng damit zusammenhängt: Sie fühlen sich gelähmt gegenüber allen politischen und sozialen Problemen. Und das bedeutet: Sie machen dicht!

 

Wo liegen die Wurzeln dieser Krise?

 

Ich glaube, dass die Krise, in der wir uns befinden, im Kern geistiger Natur ist. Es ist wie eine Krankheit, die die Kultur ergriffen hat. Sie führt dazu, dass wir unsere tiefsten Werte völlig in Frage gestellt haben und nicht mehr wissen, woran wir uns orientieren sollen. Man kann auch von einem moralischen Kollaps sprechen, der darauf beruht, dass die Beziehung zwischen uns und den Dingen und Wesenheiten in unserer Mitwelt zusammengebrochen ist. Unsere Gesellschaft krankt an ihrem Anthropozentrismus. Durch ihn verstehen wir uns als Krone der Schöpfung und als Mittelpunkt der Welt. Dabei ist der vielleicht größte Mangel unserer Kultur eine wirklich inspirierende Vision einer gesunden Beziehung zwischen uns und der uns umgebenden Welt.

 

Worin besteht Ihrer Meinung nach heute die größte Gefahr?

 

Ich glaube, dass von all den Gefahren, die uns drohen – sei es der Militarismus, die Umweltverschmutzung, die Überbevölkerung oder das Artensterben -, keine Gefahr so groß ist wie unsere Verdrängung. Denn dann passiert all das unkontrolliert. Selbstorganisierende Systeme, ob es nun eine Gemeinde, ein Planet oder eine Nation ist, korrigieren Fehlentwicklungen durch Rückkopplung oder Feedback. Und eine Verweigerung blockiert das Feedback. Jedes System, das seine Rückkopplung abblockt, begeht Selbstmord. Jedes System, das sich weigert, die Konsequenzen seines Handelns zu sehen, ist selbstmörderisch.

 

Wie kommt es zu dieser gefährlichen Verdrängung?

 

Wir haben Angst. Wir glauben, so zerbrechlich und klein zu sein, dass es uns in Stücke reißt, wenn wir es uns erlauben, unsere Gefühle über den Zustand der Welt anzuschauen. Wir fürchten eine tiefe Depression oder Lähmung. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir es aussprechen, merken wir, dass wir nicht isoliert sind, sondern dass dieser Schmerz weit hinausgeht über das kleine Ego und Konsequenzen hat, die jenseits unserer individuellen Bedürfnisse und Wünsche liegen. Wir erfahren dann nämlich eine Art größerer Identität. Wenn wir den Schmerz, den wir für die Welt fühlen, unterdrücken, dann isoliert uns das. Wenn wir ihn akzeptieren, anerkennen und darüber sprechen, dann wird er zum lebendigen Beweis unserer Verbundenheit mit allem Lebendigen. Und er befreit unsere Hilfsbereitschaft. Ich bin in dieser Arbeit zu der Erkenntnis gekommen, dass unser Schmerz um den Zustand der Welt und unsere Liebe für die Welt untrennbar miteinander verbunden sind. Das sind nur zwei Seiten derselben Münze.

 

Was können wir tun, wenn die herkömmliche Art, die Welt wahrzunehmen und zu verstehen, vor dem Bankrott steht?

 

Diese Einsicht ermöglicht gleichzeitig, uns für ein sehr viel größeres Verständnis des Lebens zu öffnen. Der Kern dieser neuen Sichtweise liegt darin, die Welt in einem größeren lebendigen Kontext wahrzunehmen: Unsere Stellung in der Welt verändert sich grundlegend, wenn wir sie als ein lebendiges System verstehen und uns selbst als einen Teil eines im weitesten Sinne lebendigen Erdkörpers definieren. Diese für immer mehr Menschen selbstverständliche Perspektive hat dramatische Folgen für die Art unserer Beziehung zur Welt, für unsere Kreativität, für unsere Lebensqualität und für unser inneres und kollektives Wachstum. Sie mag – angesichts der herrschenden Probleme in der Welt – visionär und verträumt wirken, kommt jedoch längst in unseren modernen Kulturen zum Ausdruck.

 

Wo sehen Sie eine solche Entwicklung?

 

Auf drei wesentlichen Ebenen: Einerseits hat die Tatsache, dass wir erstmals in der Geschichte der Menschheit mit der selbstverursachten Zerstörung der biologischen Lebensgrundlagen konfrontiert sind, die Chance eines Wandels erhöht. Keine Generation vor uns war mit derartig umfassenden Fragestellungen und Bedrohungen konfrontiert. Als eine Gattung, die – wie alle anderen – darauf programmiert ist, sich fortzupflanzen, kann die „Überlebensfrage“ den Druck erhöhen, alte Denk- und Verhaltensmuster in Frage zu stellen und neue Konzepte zu akzeptieren. Zu keiner Zeit der Menschheit war das Wissen um die globalen Konsequenzen eines reduzierten, isolierten und abgetrennten menschlichen Selbstbildes und der Bedarf an neuen „verbundenen“ Sichtweisen so groß wie heute. Zudem versorgt uns die moderne Wissenschaft seit einigen Jahren mit schlüssigen Theorien und konzeptionellen Denkmustern, die uns wie Werkzeuge dabei unterstützen können, die konventionellen Vorstellungen einer klaren Grenzlinie zwischen dem Individuum und der Umwelt aufzubrechen. Die vielen Forschungsansätze in der Biologie, Physik, Chemie und Genetik, die das Geheimnis des Lebens entschlüsseln wollen, kommen ebenso wie die systemtheoretischen Ansätze zu dem Ergebnis, dass die klassische Trennlinie unseres Denkens zwischen der Person einerseits und ihrer Umwelt andererseits künstlich ist und dass es sich beim Leben stattdessen um einen wechselseitigen „interaktiven Prozess“ handelt. Zum Dritten haben alle großen religiösen Traditionen damit begonnen, sich wieder mit den Wurzeln einer ganzheitlichen, „nicht-dualistischen“ Spiritualität zu beschäftigen, bei der die scharfe Trennlinie zwischen dem individuellen Selbst und der es umgebenden Welt ebenso verschwimmt wie zwischen Gott und Mensch, Innen und Außen, Himmel und Erde.

 

Fangen wir mit der dritten Ebene an: Welche Wirkung kann eine solche Spiritualität politisch haben?

 

Statt einer nur nach innen gerichteten Versenkung entsteht damit eine „soziale Mystik“, in der Meditation und soziale oder ökologische Aktion eins werden. Diese Ansätze sind ein wesentlicher Zweig im Buddhismus, waren schon immer im islamischen Sufismus vorhanden und tauchen unter dem Begriff der Schöpfungsspiritualität nun auch verstärkt im Christentum auf. Immer mehr Menschen beginnen, sich zudem für die erdverbundenen Weisheiten indigener Völker zu interessieren, weibliche Spiritualität entdeckt in den Traditionen uralter Mutter-Göttinnen fast verlorene ganzheitliche Konzepte. All diese Sichtweisen betonen die lebendige Heiligkeit der Welt. Der Weg geistiger Suche wird hier nicht länger als eine Flucht aus der schlechten Welt in irgendeinen paradiesischen Himmel angesehen. Vielmehr wird hier die Welt selbst zum Kloster, die Welt selbst als Arena einer geistigen Transformation verstanden, die Welt selbst zum geistigen Lehrer oder gar zum heiligen Ort.

 

Sie sprachen von neuen wissenschaftlichen Theorien, die uns Konzepte für ein neues Weltbild geben könnten. Wo berühren sich die ganzheitlichen Ansätze aus Religion und moderner Naturwissenschaft?

 

Die ganzheitlichen Ansätze in Wissenschaft oder Theologie betonen im Kern in immer wieder neuen Ausdrucksformen die wechselseitige Verbundenheit des Menschen mit dem Leben und allem, was existiert. Besonders die wissenschaftlichen Einsichten der modernen Allgemeinen Systemtheorie sind für den westlichen Menschen geeignet, die neuerliche Entdeckung dieses Miteinander-Verbundenseins verständlich zu machen. Bis in unser Jahrhundert war die klassische westliche Wissenschaft von der Annahme ausgegangen, dass man die Welt verstehen und unter Kontrolle bringen kann, indem man sie in immer kleinere Stücke aufspaltet, dabei den Geist von der Materie, die Organe vom Körper, die Pflanzen von ihren ökologischen Systemen trennt und jedes Teilstück für sich untersucht. Wir haben viel dadurch lernen können, aber auch wesentliche Fragen nicht gestellt, nämlich wie die Einzelteile zusammenwirken und kooperieren, um das Leben als Ganzes zu erhalten. Immer mehr Wissenschaftler begannen deshalb damit, mehr das Ganze anstelle der Teile, mehr Prozesse anstelle von isolierten Substanzen zu betrachten. Was sie dabei entdeckten, war, dass dieses Ganze – ob es sich um Zellen, Körper, Ökosysteme oder sogar den Planeten selbst handelt – nicht nur aus einem Haufen einzelner unverbundener Teile besteht, sondern aus dynamischen, kompliziert organisierten und ausgewogenen Systemen, die miteinander in Beziehung stehen und bei jeder Bewegung, jeder Funktion und jedem Energieaustausch wechselseitig voneinander abhängen. Sie stellten fest, dass jedes Element Teil eines größeren Musters ist, das sich aufgrund von erkennbaren Prinzipien verbindet und entwickelt, und fassten diese Regeln in der Allgemeinen Systemtheorie zusammen.

 

Der Begriff des Systems scheint zum neuen Schlüsselwort zu werden …

 

Diese systemische Betrachtungsweise der Wirklichkeit wird von vielen Denkern zumindest als die größte und weitreichendste kognitive Revolution unserer Zeit angesehen. Der Anthropologe Gregory Bateson nannte sie „den größten Bissen vom Baum der Erkenntnis seit 2000 Jahren“. Denn die systemische Sichtweise hat die Linse verändert, durch die wir die Realität sehen. Anstatt beliebige getrennte Einheiten wahrzunehmen, werden wir uns heute mehr und mehr verbindender Ströme bewusst – den Strömen von Energie, Materie und Information. Und Lebewesen werden in diesen Strömen als dynamische Muster im Netz des Lebens wahrgenommen. Die neue Sichtweise, die die Systemtheorie uns anbietet, trägt der biologischen Tatsache Rechnung, dass wir offene Systeme sind, die in ständigem Austausch mit ihrer Um- und Mitwelt leben und überleben. Durch Interaktionen formen sie Beziehungen, die ihrerseits wieder die Umwelt selbst gestalten.

 

Diese Sichtweise widerspricht doch aber eigentlich zutiefst unserem individuellen Selbstverständnis!?

 

Nur auf den ersten Blick. Tatsächlich hat die moderne westliche Welt jedem ihrer Bewohner durch Erziehung, Schule und die Alltagserfahrung in einer konkurrenzbetonten Welt die Überzeugung mit auf den Weg gegeben, ein abgetrenntes und isoliertes Individuum zu sein. Die Menschen leben in der Wahrnehmung, sich als allein stehende Einzelwesen in einer Welt behaupten zu müssen, stärker sein zu müssen als andere, Macht erringen und ausüben zu müssen und sich gegenüber der Macht und Aggression anderer schützen und verteidigen zu müssen. Anstatt uns selbst als veränderbare offene Systeme zu begreifen, haben wir uns in unseren privaten Beziehungen, in unserem wirtschaftlichen Verhalten und in unserer zwischenstaatlichen Politik einer entsprechenden Burgmentalität untergeordnet, die in unserem Privatleben zu Verhärtung, im wirtschaftlichen zur Konkurrenz, Macht- und Gewinnsucht und im politischen zum Kalten Krieg geführt hat.

 

Wie verändert die neue systemische Sichtweise unser Weltbild?

 

Während wir uns bislang in Isolation und Konkurrenz erlebten und ohne eigentliche Verbindung zueinander, entsteht durch diese Sichtweise ein ganz anderes Bild der Wirklichkeit. Das, was wir bislang als das Wesentliche annahmen – nämlich die einzelnen Individuen, Objekte und Teile -, tritt buchstäblich in den Hintergrund, während jene unsichtbaren Prozesse, die wir bisher für unwichtig oder nicht existent hielten, plötzlich in den Vordergrund unserer Wahrnehmung treten. Was vorher als abgetrennte Objekte wirkte, zeigt sich nun als dynamische offene Strukturen in einem größeren System. Statt der Objekte oder Individuen treten nun die Beziehungen in den Vordergrund. Haben wir die Welt bislang in ihrer Aufspaltung in Gegensätzlichkeiten wahrgenommen, in denen die Substanz vom Prozess, das Selbst von den Anderen und der Gedanke vom Gefühl getrennt wurde, so haben diese Zweiteilungen angesichts des Wissens um die miteinander verwobenen Interaktionen offener Systeme keinen Bestand mehr. Was bisher wie getrennte, für sich allein existierende Einheiten erschien, erweist sich nun in so hohem Maße miteinander verbunden, dass seine Grenzen nur willkürlich gezogen werden können. Was als das „Andere“ erschien, kann auch als Erweiterung ein und desselben Organismus betrachtet werden, wie eine „Mit-Zelle“ in einem größeren Körper.

 

Welche Konsequenzen hat das für unser Selbst- und Menschenbild?

 

Die Konsequenzen sind nicht nur für unser Selbst- und Weltbild dramatisch, sondern auch für unsere Stellung, Aufgabe und Verantwortung in der Schöpfung als Ganzes. Wir entdecken sie erst nach und nach. Verstehen wir die Welt als ein zusammenhängendes Ganzes und uns als integralen Bestandteil davon, dann springen wir damit auf eine neue Ebene der Erfahrung, des Bewusstseins, der Wahrnehmung von der Natur der Wirklichkeit und unseres Verhaltens in ihr.

Mit diesem neuen Muster für unsere Wahrnehmung haben wir quasi die Möglichkeit, uns als lebender Teil eines lebenden Körpers zu begreifen. Als offene und denkende Systeme schaffen wir, obwohl jedes individuelle Bewusstsein nur einen kleinen Abschnitt erhellt, eine kleine Schlinge im großen Gewebe des Fühlens und Wissens. Als offene Systeme sind wir an der Schöpfung der Welt beteiligt. Wenn unser Bewusstsein und Wissen wächst, so erweitert sich auch das Bewusstsein und Wissen des Netzes. Es scheint, als seien wir Teil eines größeren Bewusstwerdens. Das Netz des Lebens trägt uns und ruft uns dazu auf, weiter an ihm zu knüpfen. Psychologisch bewirkt dieser Perspektivenwechsel einen Wandel vom Gefühl der Isolation und Angst hin zu Vertrauen. Statt das ganze System zu dominieren, um mühsam die Kontrolle zu behalten, kommen wir in dieser Wahrnehmung dazu, wirklich am Ganzen teilzunehmen. Das ermöglicht eine Entwicklung, die weg führt von strikt vorgegebenen Zielen und hin zu einer Freiheit, in der wir unsere Ziele sich mit den immer neu entstehenden Möglichkeiten entfalten lassen können. Es ist ein Wechsel von einer kontrollierenden hin zu einer annehmenden Haltung, die die Vielfalt der Realität begrüßt und zu nutzen weiß. Und es ist ein geistiger Wandel, der uns von einem orthodoxen Glaubenssystem und der Abhängigkeit von fremden Autoritäten zu einer radikalen Offenheit gegenüber der Authentizität der eigenen Erfahrung zurückbringt.

Es handelt sich also um den Wechsel hin zu einem neuen Wahrnehmungsmuster oder einem neuen Kode, mit dem wir die Wirklichkeit entschlüsseln. Es ist ein Wandel von dem Gefühl der Isolation zur Wahrnehmung der Teilhabe, also zu einem Gefühl, ein integrierter Bestandteil von etwas Größerem zu sein. Er ermöglicht uns, auch unsere Erfahrungen in einem neuen Kontext verstehen zu lernen. Es ist wie die Befreiung aus einem Käfig. Er ermöglicht uns, die bislang individuell begrenzten Erfahrungen des eigenen Denkens und Handelns als eine Art Durchfluss in einem größeren System zu verstehen. Diese Sichtweise gibt uns auch ein neues Verständnis für die Qualität unserer Emotionen, sinnlichen Erfahrungen und Gefühle. Individuelles Leiden ist dann untrennbar mit dem größeren Körper verbunden, persönliche Freude auch die Freude des größeren Ganzen. Was wir wahrnehmen, erlaubt es dem größeren System wie der Erde, sich selbst wahrzunehmen. Diese Sichtweise ist geeignet, unserer eigenen ganz persönlichen und einzigartigen Erfahrung einen neuen Wert zu geben, weil sie die eigene Wahrnehmung und Erfahrung in den Dienst des Ganzen stellt.

 

Der 2. Teil des Gesprächs erscheint in der kommenden Ausgabe am 10. September 2015.

 

 

Dieses Gespräch stammt aus dem Buch „Politik des Herzens – Nachaltige Konzepte für das 21. Jahrhundert – Gespräche mit den Weisen unserer Zeit“ von Geseko von Lüpke, 2003 im Arun-Verlag erschienen. 

In diesem Band hat der Journalist und Visionssucheleiter 39 Gespräche versammelt, die er mit wissenschaftlichen VordenkerInnen, (Tiefen-)ÖkologInnen, ganzheitlichen PsychologInnen, Ökonomen, AktivistInnen und Alternativen NobelpreisträgerInnen über die existentiellen Fragen unserer Zeit geführt hat – ein ungeheurer Fundus an Wissen und Lebenserfahrung, eine wahre Schatzkiste!

Einen ganz herzlichen Dank an Geseko von Lüpke und Stefan Ulbrich vom Arun-Verlag für die Erlaubnis, dieses wunderbare Interview abdrucken zu dürfen und natürlich an die immer noch aktive, inzwischen 86 jährige Joanna Macy. 

Anfang Juli 2015 erscheint die 5. Auflage des Buches als Hardcover, ebenfalls im Arun-Verlag, ISBN: 978-3-866631-01-4 

www.arun-verlag.de

www.joannamacy.net